Die Rennberichte zu den Finalläuften der Junioren-WM in Racice
Felix Bach und Judith Sievers
Von Tanja Günder
Der zweite Finaltag, Sonntag, 8. August
Junior-Vierer mit Steuermann
Nach Platz vier im gestrigen Halbfinale starten Jasper
Peschel, Michel Palisaar, Markus Brich, Kevin Stach und Steuermann Lukas Raatz
heute im B-Finale. Mit einem energischen Start legen sie ihre Bugspitze sofort
in Führung vor Tschechien, Frankreich, Kroatien, Serbien und Südafrika. Aber im
Rennverlauf kommen die Südafrikaner und Tschechen immer besser in Fahrt und
setzen das deutsche Boot unter ständigen Druck. Jetzt heißt es, im Endspurt
hellwach zu bleiben, um das Rennen nicht auf den letzten Metern verloren zu
geben. Denn auf den Außenbahnen fliegen die Serben und Kroaten heran. Aber
heute macht der Vierer-mit alles richtig und behält die Oberhand. Mit dem
deutlichen Sieg im letzten Rennen ergattern die fünf Jungs den siebten
Gesamtrang dieser Junioren-WM.
Das spätere Finale gewinnen die Schweizer Jungs überlegen
vor Italien und Australien, Ukraine, USA und Neuseeland.
Juniorinnen-Einer
Heute gilt es für Judith Sievers, gegen die Ruderinnen aus
Aserbaidschan, Griechenland, Rumänien, Lettland und den Niederlanden, die
Karten auf den Tisch zu legen. Als Mitfavoritin auf den Titel geht sie auf Bahn
vier ins Rennen. Nach einem schnellen Start von Judith Sievers ist es Annick Taselaar
aus den Niederlanden, die auf der Außenbahn an die Spitze rudert, dahinter die
Rumänin und Judith. Doch mit jedem weiteren Rennmeter wendet sich das Blatt
wieder zu Gunsten der deutschen Farben. Schon vor der Streckenhälfte holt
Judith die Niederländerin ein und zieht nach und nach an ihr vorbei, immer noch
neben ihr die stark rudernde Rumänin. Als es auf das letzte Streckenviertel
geht, liegt Judith Sievers klar in Führung vor Rumänien und der Griechin die
das Feld von hinten aufrollt. Doch die deutsche Skullerin ist hervorragend
unterwegs baut ihre Führung kontinuierlich aus. Vor den letzten Schlägen hat
sich fast zwei Längen Vorsprung vor der Rumänin, eine weitere Länge dahinter
errudert die Griechin Bronze. Vierte wird die Niederländerin vor Lettland und
Aserbaidschan. Im Ziel jubelt Judith Sievers als Junioren-Weltmeisterin 2010!
Junior-Einer
Auf dem Weg zur Titelverteidigung tritt Felix Bach gegen die
Skuller aus der Slowakei, Italien, Griechenland, Tschechien und den USA an. Vom
Start weg zeigt er sich selbstbewusst und legt mit wuchtigen Schlägen los. Der
Ruderer aus Tschechien versucht auf den ersten Metern, seinen Heimvorteil zu
nutzen, aber diese Flucht beendet Felix nach wenigen Augenblicken, als er so
richtig in Schwung kommt. Nach knapp vierhundert Metern ist Felix Bach schon
deutlich in Führung und beginnt, sich von seinen Verfolgern abzusetzen. Etwa
zwei Längen hinter ihm rudern der Grieche und der Amerikaner zunächst um die
weiteren Medaillen. Immer öfter ist auf der Fernsehwand das deutsche Trikot von
Felix zusehen und es wird klar: heute geht kein Weg an Felix Bach vorbei. Seine
Siegesfahrt ins Ziel wird begleitet von den begeisterten Anfeuerungsrufen der
Schlachtenbummler auf der Tribüne. Mehrmals ballt Felix Bach nach der Ziellinie
die Faust vor Freude über den erneuten Gewinn des Weltmeister-Titels im
Junior-Einer. Silber geht an Griechenland, Bronze an die USA. Platz vier geht
an die Slowakei, fünfter wird der Tscheche und Platz sechs belegt der
Italiener.
Tobias Oppermann und Bodo Schacher
Junior-Zweier-ohne
Tobias Oppermann und Bodo Schacher gehen neben den
favorisierten Griechen und Aserbaidschanern ins Rennen. Außerdem sind
Slowenien, Frankreich und Bulgarien in diesem Finale vertreten. Gespannte Ruhe
herrscht am Start, Tobias Oppermann rückt sich ein letztes Mal seine Mütze
zurecht. Dann springt die Ampel um auf grün und die beiden Deutschen kommen gut
ins Rennen. Nach einem Blitzstart liegen sie erst einmal in Führung. Nach knapp
90 geruderten Sekunden ist das immer noch so, aber die Griechen sitzen ihnen schon
im Nacken und schieben sich nach 900 Metern am deutschen Zweier vorbei. Über
die Streckenhälfte bleiben die beiden Deutschen aber klar auf Platz zwei vor
den Bulgaren und Aserbaidschanern. So geht das Feld auf die letzten 500 Metern,
hier ist noch alles drin für Tobias und Bodo. Sie erhöhen die Schlagzahl immer
mehr und spurten mit den schnellsten letzten 500 Metern an die Griechen heran,
lassen Aserbaidschan fast stehen. Der Abstand zur Spitze wird immer kleiner,
doch die Griechen wehren sich verbissen und erfolgreich. Ein tolles Rennen, das
die beiden Jungs den Zuschauern hier bieten! Im Ziel gewinnen die beiden
Deutschen die Silbermedaille und freuen sich riesig und verdient darüber.
Bronze geht nach Aserbaidschan, dahinter kommen Frankreich, Bulgarien und
Slowenien ins Ziel.
Juniorinnen-Doppelzweier
Shirin Brockmann und Saskia Nitzschke setzen sich noch mal
auf den Rollsitzen zurecht, bevor sie gegen Frankreich, Australien, Italien,
Griechenland und die Niederlande ins Finale starten. Auch diese beiden
erwischen einen tollen Start und fahren erst einmal vorne mit. Nach der
Startphase drehen die Französinnen auf der Außenbahn ordentlich auf und bringen
über eine Länge Vorsprung zwischen sich und die weiteren Boote. Griechenland
und erfreulicherweise das deutsche Duo sortieren sich dahinter ein. Die
Französinnen rudern nach dem Motto „Alles oder nichts“ und enteilen dem Feld
immer mehr, ihnen auf den Fersen ist Italien. Im Kampf um Bronze schiebt sich
bei der Streckenhälfte das australische Boot an Saskia und Shirin heran. Die
beiden deutschen Mädels müssen sich schon früh strecken, um im Medaillenrennen
zu bleiben. Auf dem dritten Streckenabschnitt drehen die beiden ordentlich an
der Schlagzahlschraube und distanzieren Australien wieder. Sie fliegen in ihrem
bekannten Endspurt sogar noch an die Italienerinnen auf Platz zwei heran,
bleiben aber 100 Meter vor dem Ziel an einer Boje hängen. Doch es wird die
hervorragende Bronzemedaille, mit der sich der deutsche Doppelzweier hinter
Frankreich und Italien belohnt. Der weitere Zieleinlauf: Australien,
Griechenland, Niederlande.
Timo Piontek und Stefan Riemekasten
Junior-Doppelzweier
Timo Piontek und Stefan Riemekasten wollen gegen
Griechenland, Frankreich, Rumänien, Italien und die Niederlande beweisen, dass
sie zu den Schnellsten im Doppelzweier gehören. Los geht die Fahrt und schon
nach wenigen Startschlägen ist der deutsche Bug vorne, gemeinsam mit
Frankreich. Doch während die anderen Zweier auf Streckenschlag gehen, fährt das
deutsche Doppel einfach weiter und liegt nach 500 Metern eine knappe Länge in
Führung. Frankreich und Rumänien bleiben ihre direkten Verfolger. Um die
Streckenhälfte herum gibt es kein Boot, das in unmittelbarer Schlagdistanz zu
den Deutschen liegt, zu überlegen rudern Timo und Stefan ihr Rennen an der
Spitze des Feldes. Das bringt sie aber nicht dazu, auch nur einen Schlag
ruhiger zu rudern. Das ist auch gut so, denn mit Beginn der letzten 500 Meter
bekommen die Franzosen die zweite Luft und wollen wieder nach der Führung
greifen. Die beiden Deutschen bleiben aber konzentriert und zeigen, was
wirklich in ihnen steckt. Mit dem Endspurt fahren sie allen Gegnern auf und
davon, im Ziel liegen sie mehrere Längen vor den Franzosen und werden souverän
Junioren-Weltmeister im Doppelzweier. Damit gewinnt der Doppelzweier die vierte
Goldmedaille für Deutschland, Platz zwei und drei gehen an Frankreich und
Italien. Rumänien, Griechenland und die Niederlande erreichen die weiteren
Plätze.
Der Doppelvierer mit Ersatzmann Dominik Drücke
Junior-Doppelvierer
Für Dennis Sittel, Ruben Steinhardt, Florian Eidam und
Patrick Leineweber geht es gegen Polen, Großbritannien, Italien,
Neuseeland und
Norwegen um die Medaillen. Konzentrierte Anspannung zeigen die vier
Jungs am
Startnachen, Dennis Sittel richtet ein letztes Mal den Bug aus und schon
ertönt
das Startsignal. Der Deutsche Vierer erwischt den besten Start und ein
weiteres
Mal sind die deutschen Farben in Führung. Nach 500 Metern liegen die
vier Jungs
schon eine dreiviertel Länge vor den anderen Booten in Führung und sie
rudern
stark. Dynamisch und kraftvoll ziehen sie vor Italien und Neuseeland
ihre Bahn.
Nach der Hälfte des Rennens beträgt der Vorsprung über zwei Sekunden –
und das
im Doppelvierer. Doch damit noch nicht genug, die Vier rudern unbeirrt
weiter
und bringen offenes Wasser zwischen sich und ihre Verfolger. Doch die
Italiener
haben noch Reserven und fahren die Lücke wieder zu, in ihrem Schlepptau
die
Neuseeländer. Aber einmal in Fahrt ist der deutsche Doppelvierer nicht
zu
stoppen und so bleibt es bei einer Länge Vorsprung vor Italien und
Neuseeland.
Auf die weiteren Plätze rudern Großbritannien, Norwegen und Polen. Der
schwarz-rot-goldene Doppelvierer ist Junioren-Weltmeister 2010!
Junior-Achter
Gegen Italien, die USA, Rumänien, Großbritannien und
Tschechien greift der Junior-Achter im letzten Rennen dieser Titelkämpfe
nach
einer Medaille. Hannes Staffeldt, Henry Gieseler, Rene Stüven,
Maximilian Fay,
Clemens Barth, Malte Jakschik, Finn Schröder, Nils-Ole Bock und Lenker
Leopold
Bertz zeigen schon beim Aufwärmen mannschaftliche Geschlossenheit, als
sie im
Gleichschritt einlaufen und sich synchron dehnen. Mit Italien liegt der
härteste Widersacher direkt neben dem deutschen Flaggschiff. Mit dem am
längsten geschobenen Starschlag startet der deutsche Achter in das
Finale und
mischt sofort an der Spitze mit. Während das Rennen auf der ersten
Streckenhälfte unterwegs ist, liegt fast atemlose Stille über der
Zuschauertribüne. Nach 500 Metern der erlösende Kommentar aus dem
Reportagewagen: „Still Germany in the lead!“, Jubel kommt auf. Doch das
Rennen
ist noch lang und die Amerikaner wollen es jetzt wissen. Auf den zweiten
500
Metern übernehmen sie die Führung vor dem deutschen Boot und Italien. An
diesem
Zwischenstand ändert sich nichts, bis der Endspurt eingeläutet wird.
Leopold
Bertz treibt seine acht Junioren an und schafft es, dass das deutsche
Boot
immer dichter an die führenden Amerikaner heran kommt. Diese beiden
Boote
tragen den Kampf um den Sieg unter sich aus. Doch die Amerikaner waren
auf der
Strecke schon zu weit weg, so dass im Ziel nur ein Luftkasten zur
Goldmedaille
für das deutsche Boot fehlt. Aber nach so einem tollen Rennen steht ganz
klar
fest: der deutsche Junioren-Achter hat Silber gewonnen und ist
Vize-Weltmeister
2010! Dritter wird Italien vor Rumänien, Großbritannien und Tschechien.