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| Neues aus der Welt des Sports |
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| Reform – Reförmchen - Zum Zustand unseres Wettkampfsystems |
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| Von Arno Boes |
In der aktuellen Ausgabe des RUDERMAGAZIN haben wir wieder unsere Übersicht über die Regattatermine für die kommende Saison veröffentlicht. Über vier Seiten ist hier zu sehen, dass die Regatta-Veranstalter im Deutschen Ruderverband erhebliches Engagement und auch viele Kosten und Mühen in ihre Regatten stecken und damit das Wettkampfsystem im deutschen Rudern erst möglich machen. Dies ist nicht hoch genug zu bewerten. Doch auf den zweiten Blick ist es unübersehbar, dass unsere Sportart zielsicher auf eine Sackgasse zusteuert, dass unser Wettkampfsystem kaum noch Potential hat, um die Öffentlichkeit wieder an Regattastrecken zu locken. Betrachten wir manche Ausschreibung, die nun in den kommenden Wochen zur Veröffentlichung kommen wird, und vergleichen sie mit den gleichen Unterlagen von vor 50 Jahren, dann offenbart sich, dass sich die Sportart Rudern innerhalb ihres Sportsystems kaum weiterentwickelt hat. Und dies hat auch mit der Struktur im Leistungssport des Verbandes zu tun. Waren die Flussregatten vor rund 50 Jahren noch Sprungbrett für manchen Jungruderer, um sich für weitere Aufgaben zu empfehlen, so hat der Leistungssport heute ganze andere Anforderungen entwickelt. Leistungs- und Langstreckentests, Prüfungsregatten in Hamburg und München, Jugendmeisterschaften und dann vielleicht der Sprung in die Nachwuchs-Nationalmannschaften – das ist der heute übliche Weg. 95 % der insgesamt ausgeschriebenen Regatten spielen für die Qualifizierung im Hochleistungssport des Verbandes so gut wie keine Rolle mehr. Und das setzt sich dann auch bei den Erwachsenen fort, Kadermaßnahmen, Kleinbootmeisterschaft und einige interne Tests sind die Grundlage für die Bildung des DRV-Teams für Welt-Cup und die internationalen Meisterschaften. Nur noch ganz selten präsentieren sich diese Mannschaften, auf die sich dann allein das Interesse der Öffentlichkeit fokussiert, überhaupt noch auf Regatten in Deutschland. Kein Zweifel, wer im internationalen Regattasport zu Medaillen und Titeln kommen möchte, kann gar keine anderen Wege mehr gehen, sie sind die Basis für den Erfolg des DRV auf dem internationalen Parkett. Der Förderung der Sportart Rudern in Deutschland steht das aber eher entgegen.
Siege ohne System Wenn man dann betrachtet, was für all jene, die es nicht in die Kader und Nationalteams schaffen, an Wettkampfsystem übrig bleibt, dann ist dies ein eher zusammenhangloses Sammelsurium an Rennen, die miteinander kaum etwas zu tun haben. Erfolge hier sind schneller vergessen, als überhaupt der Abbau einer Regattastrecke dauert. Hat der Verein einen guten Draht zur lokalen Presse, dann findet ein Regattasieg dort vielleicht noch seinen Niederschlag, meist aber sammelt man die Medaillen und Plaketten allein für die heimische Wand. Punkte, Qualifikationen oder andere Zielstellungen haben diese Rennen nicht zu bieten. Findet an einem Wochenende eine Rennen in hohen Norden Deutschlands statt, dann ist es gerade noch die Rennbezeichnung, die es mit dem Rennen der gleichen Klasse am nächsten Wochenende im Süden verbindet. Welcher Sportinteressierte soll hier noch ein Kriterium finden, um unsere Sportart über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Dafür bietet unser Wettkampfsystem derzeit wirklich keine Anreize.
Geld, nicht Sport beeinflusst das System Signifikant für eine möglicherweise falsche Philosophie unseres Wettkampfsystems ist auch die Tatsache, dass nicht etwa der Sport das Maß der Dinge ist, wenn es darum geht, ob eine ausgeschriebene Regatta stattfindet oder nicht. Das entscheiden allein die Regattaveranstalter. Ist deren Aufwand nicht durch die Meldegelder gedeckt, werden eben acht bis neun Tage vor der Regatta alle Rennen abgesagt. Man stelle sich vor, ein Ligaspiel im Amateurfussball oder Handball wird eine halbe Stunde vor dem Anpfiff vom Schatzmeister des gastgebenden Vereins einfach abgesagt, weil zu wenig Zuschauer eine Eintrittskarte gelöst haben und die Einnahmen nicht mal die Energiekosten der warmen Duschen nach dem Spiel decken würden. Eigentlich undenkbar, im Rudern aber leisten wir uns diese Dinge, wie die letztjährigen Beispiele aus Gießen und Bad Ems zeigen. Weitere drohen auch in der Saison 2010 zu folgen. Verantwortlich für das Wettkampfsystem im DRV ist der Ausschuss Regattawesen (AR). An ihm wäre es, dieser Problematik der schwindenden Wettkampf-Akzeptanz unserer Sportart mit neuen Ideen und Konzepten zu begegnen. Doch die Erfahrung zeigt, dass der AR seit Jahrzehnten sich schwerpunktmäßig aufs Verwalten von Terminen und Kontrollieren der Regeln beschränkt. Neue Ideen und Wettkampfformen überlässt man da gerne anderen Initiatoren oder der neuen Ruder-Bundesliga, die trotz aller anfänglichen Skepsis gezeigt hat, wie man Vereine und ihre Aktiven wieder motiviert. Hier scheint der AR aber auch selbst noch seine Rolle zu suchen, denn im November 2009 bei der DRV-Veranstaltertagung in Würzburg kommentierte der AR-Leiter die Bundesliga noch eher skeptisch, man müsse abwarten, ob dieses Modell bei dem erheblichen finanziellen Defizit des ersten Jahres über einen längeren Zeitraum überlebensfähig sein. Nur wenig später las man im Internet des Verbandes die in diesem Kontext überraschende Aussage der gleichen Quelle, dass der DRV die Bundesliga voll und ganz unterstützen wird und voll hinter dem Konzept stehe. Das allein zeigt schon, dass der AR dingend einer neuen Identifikation bedarf und die Ausrichtung seines eigenen Verständnisses doch mal kritisch prüfen sollte.
Nicht nochmal 50 Jahre Regattareformen haben wir im Laufe der Jahre einige erlebt, Regatta 2000 und andere aber entpuppten sich dann doch eher als Reförmchen, die sich vor allem mit finanziellen Aspekten des Wettkampsystems und Entlastungen auf diesem Gebiet für die Veranstalter befassten. Dem Sport und seiner Wahrnehmung in der Öffentlichkeit haben sie alle nichts gebracht, auch der Ruderpokal, der vielleicht sich in diese Richtung hätte entwickeln können, wurde mehr oder weniger stiefmütterlich behandelt und ist nun völlig eingegangen. Es wird Zeit, dass der DRV das Heft des Handelns in die Hand nimmt und ein Wettkampfsystem anbietet, das die Sportart nach vorne bringt. Vielleicht kommt dann sogar etwas dabei heraus, das auch die Meisterschaften im Rudern wieder aufwertet. Dann macht es auch für die Regatta-Veranstalter wieder Spaß, Ihre Regatten zu planen und ihrem Publikum die Rennen zu präsentieren. Das wird sicher nicht von einem zum anderen Jahr gehen, aber weitere Jahrzehnte mit Reförmchen statt Reformen hat man sicher nicht.
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