Die Zukunft des Rudersports liegt uns am Herzen
Erstmals engagiert sich mit der Hamburger Buss-Gruppe ein Sponsor bei der Ruderregatta auf dem traditionsreichen Küchensee in Ratzeburg. Dort hat man mit dem Achter-Sprintcup einen neuen Wettbewerb ins Leben gerufen, der in diesem Jahr rund 50 Teams in die Inselstadt gelockt hat. Arno Boes sprach mit Buss-Geschäftsführer Renko Schmidt über dieses Sponsoring und das Engagement für den Rudersport.
Abo: Herr Schmidt, die Buss-Gruppe aus Hamburg engagiert sich in diesem Jahr beim Achter-Sprintcup in Ratzeburg. In welchem geschäftlichen Bereich ist die Buss-Gruppe tätig und wie vereinbart sich das mit dem Rudersport, der ja sonst bei den Sponsoren nicht in vorderster Reihe steht?
Schmidt: Buss ist eine inhabergeführte mittelständische Dienstleistungsgruppe, die seit einigen Jahren neben den traditionellen Hafendienstleistungen (Kaibetrieb, Umschlag, Verpackung, Stauen und Laschen) weitere Dienstleistungsfelder, wie z.B.
- Logistikimmobilien-Entwicklung (Ixocon GmbH)
- Gefahrgutlogistik (Buss Safelox GmbH)
- Geschlossene Fonds (Buss Capital GmbH & Co. KG)
aufgebaut hat. Wir beschäftigen in der Gruppe ca. 550 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von ca. 260 Mio. EUR p.a. Insgesamt ist die Buss-Gruppe in den letzten Jahren in allen Dienstleistungsfeldern stark gewachsen.
Buss engagiert sich schon seit Jahren in der Unterstützung des Rudersports. Unternehmen haben eine gesellschaftliche und soziale Verpflichtung. Als Mittelständler setzen wir uns insbesondere dort ein, wo größere Unternehmen nicht unbedingt anzutreffen sind.
Als traditionelles Hafendienstleistungsunternehmen haben wir einen starken Bezug zum Wasser. Insofern ist es nur logisch, dass wir uns einer Wassersportart gewidmet haben. Auch die Attribute, die immer wieder im Zusammenhang mit dem Rudersport genannt werden, wie Ausdauer, Leistungs- und Teamfähigkeit sind Werte, die wir auch unserer Unternehmensgruppe pflegen. Als Mittelständler spielt es für uns eine sehr große Rolle, ein leistungsfähiges aufeinander abgestimmtes Team im Einsatz zu haben. Sehr oft ziehen wir innerhalb der Unternehmensgruppe auch die Parallelen zum Rudersport. Letztendlich spielt aber auch eine Rolle, dass die Inhaber unserer Firma seit Jahren dem Rudersport zugewandt sind – so steigen die Herren Killinger auch heute noch mehrmals wöchentlich ins Ruderboot. Der Inhaber Dr. Johann Killinger wird in Ratzeburg auch mit einer Firmenmannschaft im Rahmen des Achter-Sprintcups an den Start gehen. Es gibt somit neben den vorher genannten Merkmalen auch einen ganz persönlichen Bezug zum Rudersport.
Abo: Ratzeburg ist eine der Wiegen des deutschen Rudersport, von hier aus ging der Ruf des „Deutschlandachters“ um die Welt. Aber auch in Hamburg gibt es eine aktive Ruderszene. Was hat Sie bewogen, die Veranstaltung in Ratzeburg zu unterstützen?
Schmidt: Wir fördern schon seit Jahren Aktivitäten des Rudersports in ganz Norddeutschland. Obwohl wir ein Hamburger Dienstleistungsunternehmen sind, sehen wir uns in unseren Sponsoringaktivitäten nicht auf Hamburg allein fixiert. In unserem Geschäft kommt es darauf an, in der Region kooperativ und vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Wir betreiben neben unseren Terminals im Hamburger Hafen u.a. auch Hafenumschlagsanlagen in Sassnitz und demnächst auch in Stade. Insofern sprechen wir nicht nur von der Freien und Hansestadt Hamburg, sondern sehen den gesamten norddeutschen Raum als unser Tätigkeitsfeld an. Die Ruderregatta in Ratzeburg bietet für uns die einmalige Chance, an historischer Stätte in der Wiege des deutschen Rudersports eine Sponsorenaktivität zu beginnen, die zunächst für einen Zeitraum von vier Jahren ausgerichtet ist. Wir haben als Buss-Gruppe die einmalige und für uns begeisternde Möglichkeit, eine traditionelle Regattaveranstaltung für unseren Auftritt als Firma zu nutzen. Die Veranstaltung, die wir in Ratzeburg sponsern, ist im Rahmen der traditionellen internationalen Ruderregatta in Ratzeburg nicht auf den Hochleistungssport ausgerichtet, sondern soll insbesondere die Vereinsaktivitäten weiter fördern und unterstützen. Wir können aus der Vielzahl der inzwischen eingegangenen Meldungen zu diesem Wettbewerb erkennen, dass sich hier ehemalige Hochleistungssportler nach Beendigung ihrer aktiven Karriere in den Vereinen einfinden, um dort gerade solche Sportveranstaltungen zu besuchen. Hierbei geht es nicht um den absoluten Hochleistungssport, sondern auch um die Zeit „danach“. Hier sehen wir einen Angebotsbedarf für die Aktiven ab 30, den wir unterstützen wollen. Diese Aktivitäten wiederum stärken die Vereine und sichern damit auch langfristig die Basis des Deutschen Ruderverbandes in seinen Vereinen. Letztendlich wollen wir auch ein Signal zur Talent- und Jugendförderung mit unserem Engagement setzen. So haben wir als Siegerpreis für den diesjährigen Männerachter ein Jugend-Renn-Einer ausgesetzt, der an den siegenden Verein überreicht werden wird. Die ersten Reaktionen bei den Meldungen der Achter zeigen schon auf, dass dieser Preis noch mal eine ganz besondere Motivation in den Vereinen frei setzt.
Abo: Sie begleiten als Stützpunktleiter Rudern für Hamburg und Ratzeburg die Vorbereitungen auf Peking. Welche Chancen sehen Sie für die Aktiven aus dieser Region bei den kommenden Aufgaben?
Schmidt: Für die Hamburger Athleten sehe ich zunächst einmal sehr große Chancen für Maren Derlien und Berit Carow. Beide Ruderinnen von der RG Hansa haben auch in dieser Saison insbesondere durch ihre Leistungen beim World Cup in München deutlich ihren Anspruch auf Olympia-Teilnahme bis hin zu einer Finalteilnahme in Peking gefestigt. Im Moment dürfen wir davon ausgehen, dass Berit Carow zusammen mit Marie-Luise Dräger den Leichtgewichtsdoppelzweier des Deutschen Ruderverbands vertreten wird. Inwieweit Maren Derlien im Zweier oder Achter oder ggf. auch in beiden Bootsklassen bei den Olympischen Spielen an den Start gehen wird, ist noch von der Entscheidung des Bundestrainers abhängig.
Bei den Männern haben wir mit Daniel Makowski einen Skuller, der noch die Möglichkeit hat, sich als Ersatzmann für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ich gehe davon aus, dass der zuständige Bundestrainer Lothar Trawiel nach Luzern die weiteren Nominierungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele aussprechen wird. Ebenfalls im Rennen ist aus Hamburger Sicht noch Bastian Seibt, der im Leichtgewichtsvierer ohne Steuermann zu der aktuellen DRV-Mannschaft gehört. Diese Mannschaft muss sich aber zunächst auf der Qualifizierungsregatta im polnischen Poznan um das Olympische Ticket bewerben. Die Ergebnisse beim Worldcup in München geben aber Anlass zur Hoffnung. Wenn alles gut läuft, könnten wir vier Aktive aus dem Landesverband in Peking dabei haben. Natürlich hoffen wir, dass diese Athleten mit der ein oder anderen Medaille aus Peking nach Hamburg zurückkehren können.
Darüber hinaus sehen wir im Nachwuchsbereich gute Ansätze, so dass wir insbesondere für das Team Hamburg 2012 davon ausgehen, dass sich auch einige Hamburger Ruderinnen und Ruderer bereits im Herbst für das Team 2012 qualifizieren können und damit in Hamburg eine optimale Unterstützung für die langfristig ausgelegte Olympiavorbereitung erhalten können.
Abo: Ihr Unternehmen hat sich für den Rudersport entschieden. Was müsste sich aus Ihrer Erfahrung heraus ändern, damit auch andere Randsportarten mehr Sponsoren und damit Hilfen aus der Wirtschaft finden?
Schmidt: Ich befürchte, dass die Randsportarten den Fehler machen, sich zu lange als Randsportart zu definieren. Wichtig ist es, dass Sponsoren aktuell und intensiv in die Vereins- oder Verbandsstrukturen mit eingebunden werden. Hier helfen persönliche Kontakte immer am schnellsten und besten weiter. Wichtig ist für einen Sponsor, dass er durch den Verband oder Verein eine klare Zielsetzung seiner Mittelverwendung aufgezeigt bekommt. Die einfache Frage nach einer Sponsorenzuwendung reicht heute auch für diese Sportarten nicht mehr aus. Konkrete Zielsetzungen, die wir im Berufsleben gewohnt sind, müssen auch für diesen Bereich gelten.
Weiterhin halte ich es für wichtig, dass die Ansprechpartner auf Seiten der Vereine und Verbände professionellen Umgang mit Wirtschaftsunternehmen an den Tag legen müssen. Hier kann ich aus der Erfahrung auch aus der Team-Hamburg-Managertätigkeit erkennen, dass in vielen Verbänden und Vereinen noch völlig falsche Vorstellungen bestehen, was ein Sponsor leisten kann und welche Anforderungen ein Sponsor an Vereine/Verbände stellt, um dort zielgerichtet mit seinen Mitteln sowohl für die Sportart als auch für sein eigenes Unternehmen Vorteile zu schaffen. Am Ende muss man natürlich auch zugestehen, dass insbesondere im Bereich der Randsportarten auch immer wieder die persönlichen Kontakte von Firmeninhabern und leitenden Führungskräften im Bereich der Randsportarten eine wesentliche Rolle spielen. Hier stelle ich häufig fest, dass die Vereine und Verbände ihre Möglichkeiten bei den Mitgliedern oft nicht wahrnehmen, sodass ich nur alle ermuntern kann, hier durchaus einmal mehr als zu wenig nach Sponsorentätigkeiten nachzufragen. Die professionelle Ansprache ist aber immer zwingende Voraussetzung.
Abo: Sponsoring im Sport bedeutet immer, das es für beide Partner ein Geben und Nehmen gibt. Was dürfen wir in Ratzeburg aus sportlicher Sicht erwarten und was wird den Besuchern durch Ihr Engagement darüber hinaus geboten?
Schmidt: Wir hoffen, dass wir durch unsere Aktivitäten in Ratzeburg die Basis für eine zunächst auf vier Jahre ausgelegte Weiterentwicklung des Achter-Sprintcups gelegt haben. Wir sichern die Veranstaltung durch unsere Sponsorengelder ab und garantieren damit zusammen mit dem Organisationsteam Nils Budde und Arne Simann sowie dem Ratzeburger Ruderclub den Fortbestand der Veranstaltung über die nächsten Jahre hinaus. Ziel ist es, die größte deutsche Achter-Sprintcup-Veranstaltung aufzubauen. Mit unseren Mitteln haben wir darüber hinaus die Basis geschaffen, interessante Pokale und den Renn-Einer als Siegerpreis in Ratzeburg anbieten zu können. Wir gehen davon aus, dass auch diese Situation dazu beitragen wird, dass sich in den Vereinen gezielt Gruppen zusammenfinden, um in den nächsten Jahren am Ratzeburger Achtercup teilzunehmen. Schon diesmal sind 50 Achter-Teams gemeldet, das ist eine tolle Basis für die Zukunft der Veranstaltungen in Ratzeburg. Da zu diesen Teams auch viele ehemalige Top-Athleten gehören, dürfte es am Samstag beim Finale sicher hervorragenden Rudersport aber auch eine gute Stimmung auf dem Regattaplatz geben. Darin sehen wir eine Möglichkeit für den Rudersport, denn die traditionell ausgerichteten Regatten finden kaum noch den großen Zuspruch bei Teilnehmern und Zuschauern. Mit unserem Engagement und der Unterstützung wollen wir den Regattaplatz Ratzeburg und den Rudersport in der Region zukunftsfähig machen.